Anliegen · Besonderer Schwerpunkt · 1060 Wien
Therapie bei Essstörungen in Wien
Essstörungen wie Anorexie, Bulimie und Binge-Eating sind ernsthafte psychische Erkrankungen, die den Umgang mit Essen, Körper und Gefühlen betreffen. In der Praxis Alan in 1060 Wien werden Essstörungen systemisch behandelt — nach dem Mailänder Modell, das Familie und Umfeld in die Therapie einbezieht. Erstgespräch auf Deutsch, Türkçe oder English.
Essstörungen sind einer meiner fachlichen Schwerpunkte. Dazu zählen unter anderem Anorexia nervosa, Bulimia nervosa, die Binge-Eating-Störung und Adipositas. Auf dieser Seite lesen Sie, wie ich arbeite — und wann es zusätzlich ärztliche Begleitung braucht.
Erstgespräch unverbindlich · Deutsch · Türkçe · English
Woran erkenne ich eine Essstörung?
Eine Essstörung beginnt selten mit einem lauten Ereignis. Sie wächst leise: Das Denken kreist immer öfter um Essen, Nicht-Essen, den eigenen Körper und das, was andere darüber denken könnten. Essen ist dann nicht mehr Nahrung und Genuss. Es wird zu einem Feld von Kontrolle, Scham und Angst — oder zu einem Ventil für Gefühle, die anders keinen Platz finden.
Häufige Anzeichen, die Betroffene und Angehörige beschreiben:
- Gedanken an Essen, Figur oder Gewicht nehmen einen großen Teil des Tages ein.
- Gemeinsame Mahlzeiten werden vermieden, es wird heimlich gegessen oder heimlich verzichtet.
- Der Selbstwert hängt zunehmend davon ab, wie der eigene Körper bewertet wird.
- Es gibt Phasen von Kontrollverlust beim Essen — gefolgt von Scham, Schuldgefühlen oder Gegenmaßnahmen.
- Freundschaften, Hobbys und Schule oder Arbeit rücken in den Hintergrund; der Rückzug wird größer.
- Angehörige spüren, dass etwas nicht stimmt, stoßen aber auf Abwehr, sobald sie es ansprechen.
Zu den Essstörungen zählen vor allem vier Erscheinungsbilder: Anorexia nervosa (Magersucht), Bulimia nervosa (Ess-Brech-Sucht), die Binge-Eating-Störung sowie Adipositas mit psychischer Komponente. Die Übergänge sind fließend, und kein Erscheinungsbild ist „harmloser" als das andere. Sie brauchen keine fertige Selbstdiagnose, um sich Unterstützung zu holen — der Eindruck, dass Essen Ihr Leben bestimmt, ist Grund genug.
Wie behandelt systemische Therapie Essstörungen?
Für die systemische Therapie ist eine Essstörung kein isolierter Defekt einer Person. Sie ist ein Symptom, das in einem Beziehungsgeflecht entstanden ist und dort eine Funktion erfüllt. Das Hungern, die Essanfälle oder das Erbrechen sind aus dieser Sicht oft ein Lösungsversuch — etwa der Versuch, Kontrolle zu behalten, Gefühle zu regulieren oder in einem Familiensystem etwas auszudrücken, das nicht gesagt werden darf.
In der Therapie schauen wir deshalb gemeinsam: Welche Aufgabe hat das Symptom übernommen? Was würde fehlen, wenn es plötzlich weg wäre? Und welche Ressourcen und Beziehungen können das tragen, was das Symptom bisher getragen hat? Dieser Blick nimmt den Druck aus der reinen Symptombekämpfung und macht Veränderungen möglich, die auch halten.
Ich verspreche keine schnelle Heilung — das wäre bei Essstörungen unseriös. Rückschritte gehören zum Prozess und werden als Information genutzt, nicht als Scheitern. Was ich anbiete, ist ein verlässlicher, urteilsfreier Rahmen und ein Tempo, das sich an Ihnen orientiert.
Was ist das Mailänder Modell?
Das Mailänder Modell ist ein Ansatz der systemischen Familientherapie, der in den 1970er-Jahren von der Kinderpsychiaterin und Psychoanalytikerin Mara Selvini Palazzoli und ihrem Team in Mailand entwickelt wurde — ursprünglich gerade in der Arbeit mit Familien, in denen ein Kind an einer schweren Essstörung litt.
Inspiriert bin ich dabei vom sogenannten „Mailänder Modell" von Mara Selvini Palazzoli: Neutralität, Zirkularität und das Arbeiten mit Hypothesen anstelle vorschneller Bewertungen. Diese Haltung der Allparteilichkeit (die Therapeutin urteilt nicht, sie versteht das System als Ganzes) ermöglichte der Mailänder Gruppe gute Erfolge gerade bei Essstörungen und in komplexen Familiensystemen.
Konkret bedeutet das in meiner Praxis: Ich ergreife für niemanden Partei, nicht für die Eltern, nicht gegen sie, nicht für oder gegen die betroffene Person. Ich stelle zirkuläre Fragen, die neue Sichtweisen öffnen („Was glauben Sie, wie Ihre Tochter das Schweigen am Esstisch erlebt?"), und ich arbeite mit Hypothesen, die wir gemeinsam überprüfen, statt mit fertigen Urteilen. So kann jedes Familienmitglied sein Gesicht wahren — und genau das schafft die Sicherheit, in der Veränderung beginnt.
Warum wird die Familie einbezogen?
Essen ist das vielleicht familiärste Thema überhaupt: Es findet am gemeinsamen Tisch statt, es ist mit Fürsorge, Erwartungen und Konflikten verwoben. Eine Essstörung verändert das ganze Familienleben: Mahlzeiten werden zum Minenfeld, Sorge kippt in Kontrolle, Gespräche drehen sich nur noch um das Essen. Umgekehrt kann die Familie auch die stärkste Ressource der Behandlung sein.
Einbeziehen heißt ausdrücklich nicht, Schuldige zu suchen. Eltern verursachen die Essstörung ihres Kindes nicht — aber sie können lernen, anders auf sie zu reagieren, Druck herauszunehmen und Halt zu geben. In Familiensitzungen bekommt jede Stimme Raum, auch die der Geschwister, die oft still mittragen.
Bei erwachsenen Klientinnen und Klienten entscheiden Sie selbst, ob und wie weit Ihr Umfeld einbezogen wird. Auch ein reines Einzelsetting arbeitet systemisch: Die wichtigen Beziehungen sind dann über Fragen, Genogrammarbeit und Aufstellungen mit im Raum. Wie ich grundsätzlich mit Familien arbeite, lesen Sie auf der Seite zur Familientherapie.
Wann braucht es zusätzlich ärztliche Begleitung?
Essstörungen betreffen Körper und Psyche gleichermaßen — deshalb gehört zu einer verantwortungsvollen Behandlung immer auch der medizinische Blick. Bei Essstörungen arbeite ich nach Möglichkeit im Rahmen eines interdisziplinären Betreuungskonzepts: in Zusammenarbeit mit Diätolog*innen, Ärzt*innen (inklusive medizinischer Kontrolle, zum Beispiel Blutabnahmen) sowie sportlicher Begleitung.
Je nach Schweregrad ist eine engmaschige, bis hin zu 24-stündiger Betreuung im interdisziplinären Team möglich, um Körper, Psyche und Alltag gleichermaßen zu stützen. Ob eine ambulante Psychotherapie ausreicht oder zusätzlich eine ärztliche, diätologische oder stationäre Begleitung sinnvoll ist, klären wir gemeinsam im Erstgespräch — und ich unterstütze Sie dabei, die passenden Anlaufstellen zu finden.
Wichtig für die Krankenkasse: Essstörungen wie Anorexie, Bulimie und Binge-Eating gelten als krankheitswertige psychische Störungen. Damit ist nach ärztlicher Bestätigung eine Teilrefundierung des Honorars möglich.
Wo finde ich sofort Hilfe?
Wenn es Ihnen oder Ihrem Kind körperlich schlecht geht (etwa bei Ohnmacht, Herzstolpern oder anhaltender Schwäche), lassen Sie das bitte umgehend ärztlich abklären. Eine Psychotherapie ersetzt keine medizinische Akutversorgung.
Spezialisierte Anlaufstelle in Wien: sowhat — Institut für Menschen mit Essstörungen (sowhat.at) mit ambulanter medizinischer und therapeutischer Versorgung. Rund um die Uhr erreichbar: Telefonseelsorge 142 (kostenlos, anonym), Sozialpsychiatrischer Notdienst Wien 01 313 30, im akuten Notfall die Rettung 144.
Was kostet die Therapie bei Essstörungen?
Eine Einzelsitzung kostet 130 Euro für 50 Minuten, eine Familiensitzung 180 Euro für 100 Minuten (Stand 2026). Ich bin Wahltherapeutin: Sie bezahlen das Honorar zunächst privat und reichen die Honorarnote bei Ihrer Krankenkasse ein.
Da Essstörungen krankheitswertige Störungen sind, ist nach ärztlicher Bestätigung eine Teilrefundierung möglich: ÖGK 33,70 €, BVAEB 50,20 €, SVS 50,00 € pro Sitzung (Stand 2026). Die Nettokosten einer Einzelsitzung liegen damit zwischen rund 80 und 96 Euro. Den Ablauf und die Formulare besprechen wir in Ruhe im Erstgespräch.
Weiterlesen
Die vier Erscheinungsbilder im Detail
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Anorexie (Magersucht)
Wenn Verzicht und Kontrolle das Leben bestimmen.
Mehr erfahren -
Bulimie
Der heimliche Kreislauf aus Essanfällen und Gegenmaßnahmen.
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Binge-Eating
Wiederkehrende Essanfälle mit Kontrollverlust — ohne Gegenmaßnahmen.
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Adipositas
Psychotherapeutische Begleitung bei emotionalem Essen — ohne Diät-Druck.
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Familientherapie
Wie die Arbeit mit der ganzen Familie abläuft.
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Häufige Fragen
Was Sie wissen möchten
Die häufigsten Fragen zu diesem Thema — kurz und ehrlich beantwortet.
Woran erkenne ich, ob ich eine Essstörung habe?
Warnzeichen sind: Gedanken kreisen ständig um Essen, Figur oder Gewicht, gemeinsame Mahlzeiten werden vermieden, der Selbstwert hängt am Körper, es gibt Kontrollverlust oder strengen Verzicht mit Scham danach. Sie brauchen keine fertige Diagnose, um ein Erstgespräch zu vereinbaren — der Eindruck, dass Essen Ihr Leben bestimmt, reicht.
Was kostet eine Essstörungs-Therapie in Wien?
Eine Einzelsitzung kostet 130 Euro für 50 Minuten, eine Familiensitzung 180 Euro für 100 Minuten (Stand 2026). Da Essstörungen krankheitswertig sind, erstattet Ihre Krankenkasse nach ärztlicher Bestätigung einen Teil zurück: ÖGK 33,70 €, BVAEB 50,20 €, SVS 50,00 € pro Einheit.
Übernimmt die Krankenkasse die Behandlung von Essstörungen?
Teilweise. Anorexie, Bulimie und Binge-Eating gelten als krankheitswertige psychische Störungen — damit ist eine Teilrefundierung möglich (ÖGK 33,70 €, BVAEB 50,20 €, SVS 50,00 € pro Sitzung, Stand 2026). Sie bezahlen zunächst privat, holen eine ärztliche Bestätigung ein und reichen die Honorarnote bei Ihrer Kasse ein.
Was ist das Mailänder Modell bei Essstörungen?
Das Mailänder Modell ist ein Ansatz der systemischen Familientherapie von Mara Selvini Palazzoli, entwickelt in der Arbeit mit Essstörungs-Familien. Kern sind Neutralität, zirkuläres Fragen und das Arbeiten mit Hypothesen statt vorschneller Bewertungen — die Therapeutin urteilt nicht, sie versteht das System als Ganzes.
Muss meine Familie in die Therapie mitkommen?
Nein. Bei Erwachsenen entscheiden Sie selbst, ob und wie weit Ihr Umfeld einbezogen wird. Bei Kindern und Jugendlichen ist die Einbeziehung der Eltern meist hilfreich — ohne Schuldzuweisung, mit klarer Allparteilichkeit. Welche Konstellation passt, klären wir im Erstgespräch.
Arbeiten Sie mit Ärztinnen und Diätologinnen zusammen?
Ja. Bei Essstörungen arbeite ich nach Möglichkeit im interdisziplinären Betreuungskonzept — mit Ärzt*innen (inklusive medizinischer Kontrolle wie Blutabnahmen), Diätolog*innen und sportlicher Begleitung. Je nach Schweregrad ist eine engmaschige, bis hin zu 24-stündiger Betreuung im Team möglich.
Ist die Essstörungs-Therapie auch auf Türkisch oder Englisch möglich?
Ja, auf Deutsch, Türkçe und English — ohne Aufpreis und mit gleichem Ablauf. Gerade bei Scham-besetzten Themen wie Essen und Körper hilft es vielen Menschen, in der eigenen Muttersprache sprechen zu können.
Der erste Schritt darf klein sein.
Sie müssen ihn nicht allein gehen.
+43 664 4190311 · info@praxis-alan.at · Antwort binnen 24 h werktags